Herrn Oberbürgermeister Christian
Ude Rathaus
Antrag
Die Stadtwerke München prüfen
Investitionen in Jatropha-Plantagen zur Gewinnung von
Pflanzenöl
Die Stadtwerke München prüfen, ob
sich Investitionen in Jatropha-Nuss-Plantagen in geeigneten
Ländern lohnen.
Begründung:
Aus der Jatropha-Nuss lässt sich effizient
und in großem Maßstab Pflanzenöl gewinnen,
das zur Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken
und als Kraftstoff verwendet werden kann.
Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran werden
stetig knapper und teurer. In diesen Jahren wird das
weltweite Öl-Fördermaximum erreicht („Peakoil“).
Danach wird die Ölförderung jährlich
um voraussichtlich 3 bis 8 Prozent zurückgehen.
Beim Kampf um das restliche Öl sind internationale
Konflikte und Kriege zu erwarten. Einen Ausweg bieten
Investitionen in erneuerbare Energien, darunter auch
der Anbau von Ölpflanzen wie Raps, Sonnenblumen,
Soja und die Jatropha-Nuss.
Da Deutschland zu klein und zu dicht besiedelt
ist, reichen die Flächen nicht aus, um neben Nahrungsmitteln
ausreichend Pflanzenöl zu erzeugen. Deshalb muss
man sich rechtzeitig um Investitionen bemühen,
die die Energieversorgung gewährleisten.
Amerikanische und chinesische Firmen sichern
sich bereits in globalem Maßstab Agrarflächen
zum Anbau von Ölpflanzen. Dabei wird vor allem
Regenwald abgeholzt und es werden auf fruchtbaren Böden
Monokulturen zur Erzeugung von Treibstoff angelegt.
Nicht nur aus Gründen des Arten- und des Klimaschutzes
muss der Regenwald aber erhalten werden, und fruchtbare
Ackerböden werden für die Nahrungsmittelproduktion
gebraucht.
Da die Jatropha-Nuss so genügsam ist,
dass sie auch in den reichlich vorhandenen Steppen-
und Savannengebieten, auf kargen und degradierten Böden
angebaut werden kann und nur sehr wenig Wasser braucht,
führt ihr Anbau nicht zur Rodung von Regenwäldern
und konkurriert auch nicht mit dem Nahrungsmittelanbau.
Im Gegenteil: Der Presskuchen, der bei der Gewinnung
von Öl anfällt, kann als biologischer Dünger
genutzt werden, verbessert die Bodenqualität und
ermöglicht den gleichzeitigen Anbau von Lebensmitteln
und hochwertigen Futtergräsern auf bisher unproduktiven
Böden.
Weil auf Jatropha-Plantagen langjährig
Kohlendioxyd gebunden wird, können die Stadtwerke
entsprechende CO2-Zertifikate verkaufen.
Jatropha-Nüsse können nicht maschinell
geerntet werden, deshalb entstehen auf den Pflanzungen
Arbeitsplätze, die vielen Landwirten in Entwicklungsländern
neben dem Anbau von Lebensmitteln eine sichere zusätzliche
Einnahmequelle bieten.
Eine Investition in den Anbau von Jatropha-Nüssen
dient also neben der Sicherung der künftigen Energieversorgung
und dem Umweltschutz auch der Verringerung von Hunger
und Armut.
Mechthild v. Walter Stadträtin |