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Herrn Oberbürgermeister
Christian Ude
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Antrag

Recyclingpapier - Grundbaustein eines nachhaltigen Schulbetriebes

Der Stadtrat möge beschließen:

Das Schulreferat wird beauftragt, dafür zu sorgen, dass in allen Klassenstufen Schülerinnen und Schüler auf der zum Schuljahresanfang bzw. Schuljahresende ausgegebenen Materialliste aufgefordert werden, nach Möglichkeit Artikel aus Recyclingpapier zu kaufen. Dabei sind Produkte mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ zu favorisieren, da diese am ehesten einen nachhaltigen Papierkonsum ermöglichen. Um den Zugang zu solchen Produkten zu erleichtern, soll auch auf Informationsquellen über die Bezugsmöglichkeiten hingewiesen werden.

Begründung:

Wälder spielen für das Erdklima eine zentrale Rolle, da sie riesige Mengen Kohlenstoff direkt und indirekt speichern, den Wasserhaushalt der Erde und die Lufttemperatur maßgeblich beeinflussen und Bodenerosion verhindern. Zudem sind sie Lebensraum für Mensch und Tier und haben damit einen unschätzbaren ökologischen und auch kulturellen Wert.

Die Papierindustrie gehört sowohl national als auch international zu den Wachstumsindustrien. In Deutschland stieg die Papierproduktion seit 1950 kontinuierlich an - sie erfuhr eine Steigerung von 1,6 Mio. t im Jahr 1950 auf 20,2 Mio. t im Jahr 2004. Wächst die deutsche Papierproduktion wie in den letzten Jahren weiterhin mit 3 - 5 % pro Jahr, so wird sie 2010 die Marke von 25 Mio. t erreicht haben. Die weltweite Papierproduktion lag 2005 bei ungefähr 330 Mio. t. Für das Jahr 2015 geht man von einer Gesamtproduktion von 440 Mio. t aus, was einer Zuwachsrate von 33% entsprechen würde.

Für die Papier- und Zellstoffproduktion wird in vielen Erdteilen Raubbau an der Natur betrieben, Mensch und Umwelt werden stark geschädigt. Weltweit wird jeder fünfte Baum für die Herstellung von Papier eingeschlagen. Intakte Wälder werden zerstört, die Lebensgrundlage für viele Tier- und Pflanzenarten und auch viele Menschen geht verloren. Das Klima wird beeinflusst, Naturkatastrophen wie Dürre und Überschwemmungen treten verstärkt auf. Zwar werden die abgeholzten Areale teilweise wieder bepflanzt, jedoch meist mit Monokulturen. Im besten Fall wird ein naturferner Forst angelegt, der jedoch niemals die Artenvielfalt eines natürlich gewachsenen Waldes erreichen kann. Der Verlust zahlreicher, in einigen Fällen vielleicht sogar unentdeckter Arten ist die Folge.

Obwohl hier nicht das volle Ausmaß der Probleme in Folge der Papierproduktion dargestellt werden kann, verpflichten uns die aufgeführten Punkte, die Verwendung von Recyclingpapier stärker zu fördern. Dies fängt bei unseren Kindern an, die schon in frühen Jahren für die Auswirkungen ihrer Konsumgewohnheiten sensibilisiert werden müssen. Nur durch eine langfristige Verankerung in der Gesellschaft kann ein nachhaltiger Papierkonsum erreicht werden. Die Kinder sind hier eine wichtige Zielgruppe, da sie die Papierkonsumenten von morgen sind. Zudem fungieren sie als Multiplikatoren, indem sie die Idee des Papierrecycling in ihre Elternhäuser tragen.

Eine wichtige Informationsquelle zum Papierrecycling ist die Webpage www.treffpunkt-recyclingpapier.de, die von der Initiative 2000 plus betrieben und u.a. durch das Umweltbundesamt unterstützt wird. Hier finden sich allgemeine Informationen zum Thema, Mustertexte, Konzeptbausteine und Dokumentationen. Mögliche Einkaufsquellen werden aufgezeigt, was notwendig ist, da diese aufgrund der mangelnden Akzeptanz von Recyclingartikeln in den meisten Einzelhandelsketten oft schwer zu finden sind. Die Initiative 2000 plus hat außerdem eine Gemeinschaftsaktion zur aktiven Beteiligung von Schulklassen ins Leben gerufen, bei der jede Schulklasse, die sich unter dem Motto „Wir setzen Zeichen - Schulen pro Recyclingpapier“ zur Verwendung von Recyclingpapier verpflichtet, eine von der Schirmherrschaft unterzeichnete Urkunde erhält. Der Stand der Gemeinschaftsaktion kann auf einer Landkarte nachvollzogen werden.

Greenpeace rät in seinem Flyer „Schulheft, Schreibwaren und Büromaterial“ (erhältlich neben zahlreichen anderen Infoblättern über die Webpage www.greenpeace.de, Stichwort Papier) zur Bildung einer Einkaufsgemeinschaft für den Bezug von Recyclingartikeln. Dies biete den Vorteil, direkt größere Stückzahlen vom Großhandel beziehen und dadurch bessere Preise erzielen zu können. Eventuelle Sonderwünsche wie bestimmte Lineaturen können bei einer Sammelbestellung berücksichtigt werden.

Bei der Wahl der Recyclingartikel ist Produkten mit dem Kennzeichen „Der Blaue Engel“ der Vorzug zu geben. Im Gegensatz zu anderen Umweltzeichen garantiert der Blaue Engel eine Herstellung aus 100% Altpapier, eine absolute Gebrauchstauglichkeit sowie eine Lebensdauer der Papierprodukte von einigen hundert Jahren. Die strengen Auflagen für die potentiellen Träger des Umweltzeichens garantieren eine umweltverträgliche und nach dem neuesten Stand des Gesundheits- und Arbeitsschutzes gestaltete Produktion.

Abschließend muss betont werden, dass der vorliegende Antrag zwar „nur“ auf den verstärkten Einsatz von Schulheften und -materialien aus Recyclingpapier abzielt, seine Umsetzung jedoch von enormer Wichtigkeit ist. Die Schülerinnen und Schüler machen die Erfahrung, dass sie aktiv etwas für die Umwelt tun können und werden so als zukünftige Verbraucher für den nachhaltigen Umgang mit Produkten und Ressourcen sensibilisiert. Die Verwendung von Recycling-Papier ist ein hervorragendes Beispiel für die Maxime „Global denken - lokal handeln“.

Mechthild v. Walter
Stadträtin

 

  

Stadtratsantrag
vom 12. Sept. 2006

 

Bildmaterial:

von Walter

Mechthild von Walter,
Stadträtin der ödp München
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Pressekontakt:

Markus Hollemann
Regionalbeauftagter

ödp Stadtverband München
Tal 25
D-80331 München
Tel. 0 89/45 24 74 15
Fax 0 89/2 44 36 53 97
muenchen@oedp.de


 

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