Herrn Oberbürgermeister Christian
Ude Rathaus
Antrag
Konzept der Stadtwerke München: Energiebedarf
der Stadt soll bis 2016 aus erneuerbaren Energien erzeugt
werden
Der Stadtrat möge beschließen:
München fordert die Stadtwerke München
(SWM) auf, ein Konzept vorzulegen, wie der gesamte Energiebedarf
der Stadt bis zum Jahr 2016 aus erneuerbaren Energien
erzeugt werden kann, um die Abhängigkeit von Energie-Importen
- insbesondere den Erdgas-Importen aus Russland - zu
beenden, die regionale Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze
zu schaffen und die CO2-Belastung der Umwelt zu reduzieren.
Begründung:
In ihrem Umweltreport nennen die Stadtwerke
als Eckpunkte ihrer Unternehmenspolitik Sicherheit,
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das ist zu begrüßen.
Um diese Ziele auch in Zukunft erreichen zu können,
ist es notwendig, ein Konzept zu entwickeln, das sicherstellt,
dass in absehbarer Zeit – gedacht ist an einen Zeitraum
von etwa 10 Jahren – der Anteil an erneuerbaren Energien
von jetzt 17% auf 100% erhöht wird.
Die Sicherheit, das heißt vor allem
die Versorgungssicherheit, ist aufgrund der Abhängigkeit
von Energie-Importen in absehbarer Zeit nicht mehr gewährleistet.
In einem Spiegel-Online-Interview stellte Andris Piebals,
der EU-Kommissar für Energie fest, dass die bisher
erschlossenen Erdgas-Felder in Russland nicht ausreichen,
um die bestehenden Liefer-Verträge in den nächsten
Jahren zu erfüllen. Er habe Informationen, dass
Gasprom die Lieferungen für die eigene Bevölkerung
schon limitiert habe, um das Export-Volumen voll aufrecht
zu erhalten. Einer Studie des Gaswirtschaft zufolge
kann Biogas mindestens die Hälfte der Gas-Importe
aus Russland ersetzen.
Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens Stadtwerke
– und die Begrenzung der finanziellen Belastung seiner
Kunden - kann nur durch die rasche Umstellung auf regenerative
Energien aufrecht erhalten bleiben, da erneuerbare Energiequellen
tendenziell immer billiger, fossile Energieträger
dagegen tendenziell immer teurer werden. Schon jetzt
ist Sonnenwärme und Holz für die Wärmeerzeugung
und reines Pflanzenöl als Kraftstoff konkurrenzlos
billig. Regenerative Energien schaffen vor Ort Arbeitsplätze
und sorgen dafür, dass die Kaufkraft im regionalen
Wirtschaftskreislauf bleibt und nicht in Form von Devisen
für Importe ausgegeben werden muss
Die Nachhaltigkeit unserer Wirtschaftsweise
ist nur zu erreichen, wenn mit Hilfe der erneuerbaren
Energien eine Kreislaufwirtschaft entsteht, die dazu
führt, dass nur noch das CO2 bei der Energie-Erzeugung
abgegeben wird, das zuvor der Atmosphäre entnommen
wurde.
So verhindert Strom aus erneuerbaren Enegien bereits
jetzt Schäden in Milliardenhöhe: In einem
Gutachten des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR), Stuttgart, und des Fraunhofer-Instituts
für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe,
das im Auftrag des Bundesumwelt-ministeriums erstellt
wurde, wird ermittelt, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren
Energien im vergangenen Jahr Schäden von mindestens
2,8 Milliarden Euro vermieden wurden. Dieser Wert liege
über dem Betrag von 2,4 Mrd.€, den die Förderung
des Stroms aus Biomasse, Geothermie, Photovoltaik, Wasser
und Wind durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
gekostet hat. Es erweist sich wieder: Ökologie
ist Langzeit-Ökonomie.
Eine vollständige Versorgung mit regenerativer
Energie ist keine Utopie, sondern notwendig und möglich.
Das Burgenland plant schon bis 2013 seinen gesamten
Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu erzeugen
und die Schweizer Grünen haben ein Positionspapier
verabschiedet, in dem der Weg zu einer solaren Vollversorgung
beschrieben wird. In China wird gerade die erste moderne
solare Großstadt, Dongtan, gebaut, die als Modell
für die zukünftige Städteplanung genützt
werden soll – in den nächsten 20 Jahren sollen
400 Städte neu gebaut werden.
In kleinem Maßstab wurde schon jetzt
in mehreren Gemeinden in Deutschland und Österreich
eine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien
realisiert.
Im Grünbuch der EU-Kommission werden
für die europäische Energiestrategie drei
Hauptziele genannt: Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit
und Umweltverträglichkeit. Diese Ziele können
nur erreicht werden, wenn man auf lokaler Ebene schnellstmöglich
die Versorgung mit erneuerbaren Energien durchsetzt.
Mechthild v. Walter Stadträtin |